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Datum: 11.12.2024
Autor:in: Mustafa Balci
Kategorie:  Kommunen
Quartiere
Real Estate
Tags: Bahngrundstücke
Deutsche Bahn
Flächenentwicklung
Frank Christian Hinrichs
gemeinwohlorientierte Stadt
Immobilienbranche
Infrastruktur
inno2grid
Mobilität
Projektentwicklung
Quartiersentwicklung
Smart City
Stadtentwicklung
Stadtplanung
Wohnungsbau

Lesezeit: 2 Min

Aussenansichten eines DB-Managers

Herr Hinrichs, große Teile Ihres Berufslebens haben Sie im Management der Deutschen Bahn absolviert. Welche Menschen trifft man da?

Bei der Deutschen Bahn gibt es den klassischen Bahner, der von der Technik oder vom Prozess her kommt. Entweder ist das ein Technikmensch, der begeistert von der Maschine ist, oder es ist ein Prozessmensch, der sagt, so ein großer Tanker kann nur durch Prozesse gesteuert werden.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Kontakt zur Immobilienbranche?

Das war, als ich große Bau- und Genehmigungsprozesse für die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit betreut habe, da war ich immer auf der Baustelle. In den Planfeststellungsverfahren musste ich Lösungen für vielfältige Konflikte mit Anrainern finden. Das Wohngebiet hat Schallschutzprobleme, das Gewerbegebiet hat Erreichbarkeitsprobleme, wenn es keine gütliche Einigung gab. Und jetzt in den letzten Jahren geht es um Quartiersentwicklung. Da bin ich noch näher an Architekten und Quartiersentwicklern dran.

Wie kommt Ihre derzeitige Arbeit für inno2grid da ins Spiel?

Inno2grid kommt aus dem Quartiersentwicklungsgedanken. Da gehört auch die Infrastruktur dazu – Smart City nicht nur auf dem Technologie-Level, sondern Smart City als Funktion eines Siedlungsraums. Die Bahn war vor zehn Jahren mit Forschungs- und Demonstrationsprojekten vor allem in der Elektromobilität ein aktiver Treiber in diesem Prozess. So bin ich aus der reinen Mobilitäts- und Bahnperspektive in die Richtung der Stadtentwicklung, zu den Methoden der Quartiersentwicklung gekommen.

Mit welchen Playern bekommen Sie in der Immobilienwirtschaft zu tun?

In erster Linie Projektentwickler. Aber auch öffentliche und private Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften. Auf der anderen Seite die städtischen Planungsämter, Bauämter und Tiefbauämter.

„ICH HABE IN DER IMMOBILIENBRANCHE SEHR ENGAGIERTE LEUTE KENNEN GELERNT, DIE FÜR GUTE IMMOBILIEN UND AUCH FÜR EINEN ABGLEICH MIT DEN STÄDTISCHEN FUNKTIONEN SORGEN, GETRAGEN VON EINER GEMEINWOHL-ORIENTIERTEN IDEE DER STADT.“ - Frank Christian Hinrich

Gibt es da Mentalitätsunterschiede?

Ja klar: Der Immobilienmensch sieht einen Case, ein Grundstück, und er hat eine beabsichtigte Nutzung mit einem Zielkunden im Blick. Die Projektentwickler sagen: „Wenn du die Infrastruktur lieferst, machen wir mit, wenn es uns was bringt.“ Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Es gibt auch Projektentwickler, die sich Innovation unter einer neuen Agenda selbst auf die Fahnen geschrieben haben.

Ist das der Unterschied von öffentlichem Auftrag und privatwirtschaftlicher Motivierung?

Die Deutsche Bahn ist ja selbst ein Akteur in der Immobilienbranche. Nach den Kirchen ist sie der zweitgrößte Flächenbesitzer. Die interessantesten Entwicklungen, die Projektentwickler in den letzten zehn Jahren in den Metropolen umgesetzt haben, sind ja auf ehemaligen Bahngrundstücken entstanden, meistens Gütergrundstücke, die als nicht betriebsnotwendig erklärt und verkauft wurden.

Auf welche Charaktere sind Sie in der Immobilienbranche gestoßen?

Ich habe in der Immobilienbranche sehr engagierte Leute kennen gelernt, die für gute Immobilien, für gute Häuser und auch für einen Abgleich mit den städtischen Funktionen sorgen, getragen von einer gemeinwohlorientierten Idee der Stadt. Vorherrschend ist allerdings das Renditestreben. Es gibt viele Leute, die machen sich nicht groß Gedanken. Es ist ein Wirtschaftsgut, das im besten betriebswirtschaftlichen Sinne administriert wird.